
Was bedeutet Shared Decision Making?
Shared Decision Making (SDM) beschreibt einen strukturierten Prozess der gemeinsamen Entscheidungsfindung zwischen Patient:in und Ärzt:in.
Medizinische Entscheidungen werden dabei nicht einseitig getroffen, sondern auf Grundlage medizinischer Evidenz und individueller Lebensumstände gemeinsam abgewogen.
Konkret bedeutet das:
- Die Ärztin oder der Arzt erläutert Diagnose, Prognose, Behandlungsoptionen sowie Risiken.
- Die Patientin oder der Patient bringt eigene Werte, Ziele und Prioritäten ein.
- Die endgültige Entscheidung entsteht im Dialog.
Gerade bei schwerwiegenden Diagnosen oder geplanten Operationen betrifft eine Therapieentscheidung nicht nur medizinische Fakten, sondern auch Lebensqualität, Alltag und langfristige Perspektiven.
Shared Decision Making trägt diesem Umstand Rechnung:
Es verbindet fachliche Expertise mit persönlicher Lebensrealität.

Unsicherheit nach der Erstdiagnose
Nach einer neuen Diagnose oder einer Therapieempfehlung entsteht häufig eine Phase der Orientierung.
Die medizinische Beratung ist komplex.
Begriffe sind fachlich.
Zeit ist begrenzt.
Auch bei sorgfältiger Aufklärung bleiben mitunter Fragen offen – insbesondere dann, wenn die Entscheidung weitreichende Folgen hat.
Typische Überlegungen sind:
- Habe ich alle Optionen verstanden?
- Welche Auswirkungen hat diese Therapie konkret auf meinen Alltag?
- Gibt es Alternativen, die ebenfalls medizinisch vertretbar sind?
Solche Fragen sind kein Ausdruck von Misstrauen, sondern Teil einer verantwortungsvollen Entscheidungsfindung.
Gerade in Situationen mit mehreren möglichen Behandlungswegen oder bei invasiven Eingriffen kann es sinnvoll sein, die vorhandenen Informationen nochmals strukturiert einzuordnen.
Hier setzt die ärztliche Zweitmeinung an: Sie ergänzt die Erstberatung um eine zusätzliche fachliche Perspektive und schafft eine breitere Entscheidungsgrundlage.

Welche Rolle die fachärztliche Zweitmeinung im SDM-Prozess spielt
Eine ärztliche Zweitmeinung ergänzt die Erstberatung um eine zusätzliche fachliche Einordnung.
Sie dient nicht der Gegenüberstellung von Meinungen, sondern der strukturierten Überprüfung und Differenzierung einer Diagnose oder Therapieempfehlung.
Im Kontext des Shared Decision Making erfüllt sie mehrere Funktionen:
1. Medizinische Notwendigkeit prüfen
Eine weitere fachärztliche Einschätzung ermöglicht es, Befunde erneut zu bewerten und die Indikation einer vorgeschlagenen Therapie zu überprüfen.
Dabei kann geklärt werden:
- Welche Maßnahmen medizinisch zwingend sind
- Welche Optionen vertretbar, aber nicht alternativlos
- Wo gegebenenfalls zeitlicher Spielraum besteht
Diese Einordnung schafft Transparenz über den tatsächlichen Handlungsspielraum.
2. Behandlungsalternativen differenziert betrachten
Viele Erkrankungen lassen mehrere Therapieansätze zu.
Eine Zweitmeinung kann helfen,
- konservative und operative Optionen gegenüberzustellen,
- Nutzen und Risiken realistisch abzuwägen,
- sowie individuelle Faktoren stärker zu berücksichtigen.
Damit erweitert sich die Grundlage für eine gemeinsam getragene Entscheidung.
3. Entscheidungsfähigkeit stärken
Shared Decision Making setzt voraus, dass Patient:innen ihre Optionen nachvollziehen und bewerten können.
Durch die zusätzliche fachliche Perspektive entstehen häufig präzisere Fragen und ein klareres Verständnis der eigenen Situation.
Die Zweitmeinung ersetzt keine Entscheidung.
Sie strukturiert sie.

Fachärztliche Zweitmeinung per Videosprechstunde
Strukturierte fachliche Einschätzung durch erfahrene Fachärzt:innen.
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Voraussetzungen für Shared Decision Making
Shared Decision Making setzt eine tragfähige Informationsbasis voraus.
Damit eine Entscheidung gemeinsam getroffen werden kann, müssen medizinische Sachverhalte nachvollziehbar dargestellt und individuelle Fragen ausreichend berücksichtigt werden.
In der Praxis stehen jedoch häufig Zeitdruck, organisatorische Abläufe und komplexe Fachsprache im Raum. Das kann dazu führen, dass Aspekte unausgesprochen bleiben oder erst im Nachgang reflektiert werden.
Eine strukturierte Zweitmeinung bietet hier einen klaren Rahmen:
- Medizinische Unterlagen werden vorab gesichtet.
- Befunde werden im Gespräch nachvollziehbar erläutert.
- Individuelle Rückfragen können gezielt geklärt werden.
Der entscheidende Faktor ist dabei nicht das Format an sich, sondern die Möglichkeit, medizinische Informationen in Ruhe einzuordnen und auf die eigene Lebenssituation zu beziehen.
Eine Zweitmeinung per Videosprechstunde kann diesen Rahmen organisatorisch erleichtern – insbesondere dann, wenn räumliche Distanz oder Terminverfügbarkeit eine Rolle spielen.
Ablauf einer fachärztlichen Zweitmeinung per Videosprechstunde
Shared Decision Making braucht eine solide Informationsbasis.
Eine fachärztliche Zweitmeinung schafft diese zusätzliche Perspektive – strukturiert und organisatorisch getrennt vom Erstkontakt.
Auf unserer Plattform erfolgt der Ablauf klar und direkt:
- Fachgebiet auswählen
Sie wählen den medizinischen Schwerpunkt passend zu Ihrer Diagnose (z. B. Neurochirurgie, Onkologie, Kardiologie). - Fachärzt:in auswählen
Sie sehen verfügbare Fachärzt:innen mit Profil, Spezialisierung und freien Terminen. - Termin online buchen
Freie Zeiten sind unmittelbar einsehbar und direkt buchbar. - Unterlagen digital hochladen
Arztbriefe, MRT-/CT-Bilder, Laborwerte oder OP-Berichte werden vor dem Termin sicher übermittelt. - Persönliche Zweitmeinung per Videosprechstunde
Im Gespräch werden Diagnose, Therapieoptionen und offene Fragen strukturiert besprochen. Im Anschluss erhalten Sie eine schriftliche Zusammenfassung der Einschätzung.
Die zusätzliche fachärztliche Perspektive kann anschließend in Ihre bestehende Behandlung eingebracht oder in Ruhe reflektiert werden.

Typische Situationen, in denen Shared Decision Making durch eine Zweitmeinung gestärkt wird
Shared Decision Making ist besonders relevant, wenn mehrere medizinisch vertretbare Optionen bestehen oder Entscheidungen weitreichende Folgen haben.
Typische Konstellationen sind:
1. Empfehlung zu einem operativen Eingriff
Bei Eingriffen an Wirbelsäule, Gelenken oder am Herzen kann eine zusätzliche fachärztliche Einschätzung helfen, die Indikation differenziert zu prüfen und Alternativen strukturiert abzuwägen.
2. Onkologische Diagnosen
Bei Krebs stehen häufig mehrere Therapieoptionen zur Verfügung – operative, medikamentöse oder kombinierte Verfahren. Eine Zweitmeinung kann die Entscheidungsgrundlage erweitern und Behandlungsstrategien einordnen.
3. Chronische Erkrankungen
Bei Erkrankungen wie rheumatologischen, neurologischen oder gastroenterologischen Krankheitsbildern existieren oft unterschiedliche therapeutische Ansätze. Eine zusätzliche Einschätzung kann helfen, Nutzen und Belastungen im individuellen Kontext zu bewerten.
4. Unterschiedliche ärztliche Einschätzungen
Wenn Hausärzt:innen und Fachärzt:innen Empfehlungen unterschiedlich gewichten, kann eine strukturierte Zweitmeinung zur sachlichen Einordnung beitragen.
5. Zeitlich dringliche Therapieempfehlungen
Wenn eine Entscheidung kurzfristig getroffen werden soll, kann eine ergänzende fachärztliche Einschätzung helfen, die Situation inhaltlich einzuordnen und offene Fragen gezielt zu klären.
Shared Decision Making als Ausdruck informierter Verantwortung
Medizinische Entscheidungen betreffen nicht nur Befunde, sondern konkrete Lebensrealitäten.
Shared Decision Making setzt voraus, dass medizinische Optionen verständlich erläutert und individuell eingeordnet werden können. Erst auf dieser Grundlage entsteht eine Entscheidung, die sowohl fachlich tragfähig als auch persönlich stimmig ist.
Eine fachärztliche Zweitmeinung kann diesen Prozess unterstützen, indem sie die vorhandene Einschätzung ergänzt und strukturiert überprüft.
Die digitale Videosprechstunde ermöglicht dabei eine zusätzliche fachliche Perspektive unabhängig vom Wohnort und außerhalb der bestehenden Praxisorganisation.
So entsteht Raum für eine informierte Entscheidung – getragen von medizinischer Expertise und individueller Abwägung.
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